Ehre und Gewalt

Der Begriff „Gewalt im Namen der Ehre“ steht für unterschiedliche Formen von Gewalt, die aus einer vermeintlichen Verpflichtung heraus begangen werden, um die „Ehre“ der Familie zu bewahren oder die vermeintlich verletzte Ehre wiederherzustellen.

Betroffen sind in erster Linie Mädchen und junge Frauen, die sich von den traditionellen Vorstellungen ihrer Familien lösen und ihr Leben selbstbestimmt gestalten wollen. Es wird davon ausgegangen, dass das Dunkelfeld sowohl im Bereich der Zwangsverheiratung als auch im Bereich der Gewalt im Namen der Ehre sehr groß ist.

Versuchen Betroffene, sich mit diesen Vorstellungen einhergehenden Werten und Normen zu entziehen, kann das bspw. mit psychischem Druck, emotionaler Erpressung, Freiheitsbeschränkungen, körperlicher und/oder sexueller Gewalt einhergehen.

Im Bereich Ehre und Gewalt bietet ZORA

1. Informationen für betroffenen Mädchen und jungen Frauen und vertrauten Dritte

1. Beratung und Begleitung von betroffenen Mädchen und jungen Frauen

Wir sind eine Anlauf- und Beratungsstelle, die für Mädchen und junge Frauen Hilfe und Unterstützung bietet – bei allen Anliegen und Problemen. Dies gilt auch für dich, wenn du Gewalt durch deine Familie erfährst, Angst hast, weil deine Familien dich bedroht und/oder verfolgt und du darüber nachdenkst von zu Hause zu fliehen.

Du kannst dich an uns wenden, wenn

  • du von deiner Familie unter Druck gesetzt und kontrolliert wirst, z. B. durch Ausgangsverbote und Einsperren
  • du von Zwangsheirat bedroht bist oder du bereits verheiratet wurdest
  • du Angst hast, gegen deinen Willen ins Herkunftsland deiner Familie geschickt zu werden
  • du schwanger bist und es niemand wissen darf
  • deine Familie deine sexuelle Orientierung und Identität oder deine Partner*innenwahl nicht akzeptiert
  • du unter Misshandlungen, physischer und/oder sexueller Gewalt leidest
  • du betroffen bist von Genitalbeschneidung und dich über deine Möglichkeiten und Unterstützungsangebote informieren möchtest.

Du kannst während den Öffnungszeiten in unserer Einrichtung ohne vorherige Anmeldung vorbeikommen. Es ist auch möglich, Termine außerhalb der Öffnungszeiten auszumachen.

Bist du unsicher, wann ein guter Zeitpunkt wäre, zu uns zu kommen, schreib uns eine E-Mail, rufe uns an oder kontaktiere uns über WhatsApp. Wir finden eine Möglichkeit, dass du dich sicher von uns beraten lassen kannst.

Du entscheidest was du uns in der Beratung erzählen möchtest. Wir beraten auf Wunsch auch anonym. Du kannst auch gerne eine Vertrauensperson mit in die Beratung nehmen.

Gemeinsam suchen und entwickeln wir mit dir Lösungen und Wege, die zu dir und deiner Lebenssituation passen.

Themen der Beratung können sein

  • deine aktuelle Situation
  • deine unterschiedlichen Möglichkeiten
  • deine Zukunftsplanung
  • die sichere Unterbringung in einer Schutzunterkunft
  • Entscheidungshilfe
  • Informationen zu Gewalt- und Opferschutzmaßnahmen
  • Konfliktlösung
  • Bedarf an weitere Hilfen, wie Vermittlung rechtlicher Unterstützung, Kooperationen mit Ämtern und Behörden oder Therapien

2. Weiterführende Informationen zum Thema Ehre und Gewalt für Multiplikator*innen und Fachkräften

Auf Anfrage unterstützen wir Multiplikator*innen, Fachkräfte und Mitarbeiter*innen anderer Beratungsstellen und Bildungsträgern als auch von Ämtern, Behörden und Institutionen. Die Mitarbeiterinnen von ZORA bieten außerdem in Schulen, anderen Einrichtungen als auch vor Ort bei ZORA Gruppenangebote und Präventionsprojekte an.

ZORA bietet

  • Informationsvermittlung zum Thema Gewalt und Ehre
  • Ansprechpartnerin bei kulturspezifischen Fragen
  • Fachlicher Austausch und Vernetzung
  • Gefährdungseinschätzung
  • Aufzeigen von Interventionsmöglichkeiten und Handlungsstrategien zur Sicherung der körperlichen und seelischen Unversehrtheit junger Mädchen und Frauen
  • Thematisierung von Ehre und Gewalt auch im Rahmen der Präventionsangebote an Schulen
  • Kooperationen mit anderen involvierten Ämtern und Behörden, wie mit dem Jugendamt oder der Polizei

Für die besonders vulnerable und hauptsächlich betroffene Gruppe der Mädchen und jungen Frauen, hat die Gewalt im Kontext von Ehre Konsequenzen für deren Persönlichkeitsentfaltung und Sicherheit. Die Dunkelziffer ist ebenso wie die Gefährdungslage der Betroffenen im Bereich der sog. Ehrgewalt sehr hoch.

Dass von Ehrgewalt bedrohte Mädchen und Frauen das Unterstützungssystem nicht aufsuchen, liegt unterschiedlichen Faktoren zugrunde. Eine starke emotionale Bindung an das eigene Familiensystem, das anerzogene Unterordnen eigener Bedürfnisse unter die der Familie, Angst vor der Eskalation von Gewalt und vor Verfolgung, kein eigenes Einkommen, ein unsicherer Aufenthaltsstatus, fehlendes Wissen über die Rechtslage und fehlendes Vertrauen als auch wenig Erfahrung mit dem Hilfesystem. Hilfe von außen suchen sich die Mädchen und jungen Frauen oft nur, wenn es unbedingt notwendig ist.

In diesem Kontext kommt Personen mit „Erstkontakt“ zu den Betroffenen eine Art Schlüsselrolle zu. Diese sind bspw. Ärzt*innen, aber auch Lehrkräfte, denn sie erleben die Schüler*innen im alltäglichen Kontakt, können Auffälligkeiten, wie Veränderungen im Verhalten der Jugendlichen oder auffällig hohe Fehlzeiten während des Unterrichts bemerken. Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, für die Thematik sensibilisiert zu sein, um handlungssicher mit der eventuell sehr akuten Bedrohungslage umgehen zu können, um weitere Eskalationen zu vermeiden.

Auslöser für Gewalt im Namen der Ehre können vielfältig sein, wie z. B.:

  • vor- oder außereheliche Beziehung und/oder Schwangerschaft
  • Beziehung oder Kontakte zu Menschen, die die Angehörigen nicht akzeptieren
  • Ablehnung traditionell patriarchaler Werte und Normen, wie z.B. einer arrangierten Ehe, Trennungs- oder Scheidungswunsch, Selbständigkeitsstreben (eigene Wohnung, Berufsausbildung, etc.)
  • Unerwünschter Lebensstil (Kleidung, Schminken, Ausgehen, etc.)
  • Abweichen von heteronormativem Rollenverständnis und Sexualität
  • Wunsch nach sexueller Selbstbestimmung
  • das Erzählen familiärer Probleme

Sie können sich telefonisch oder per E-Mail an uns wenden, um einen Beratungstermin zu vereinbaren oder um sich direkt über die Thematik und individuellen Sachfragen zu informieren und beraten lassen.

3. Präventionsangebote

Im Rahmen unserer Schulpräventionsangebote informieren wir ebenfalls über die Thematik Ehre und Gewalt. Nähere Informationen finden Sie auf unserer Präventionsseite.

4. Unser Netzwerk

Landesweiter Runder Tisch gegen Gewalt im Namen der Ehre in Hessen

Im Jahr 2016 bildete sich ein neues Netzwerk „Landesweiter Runder Tisch gegen Gewalt im Namen der Ehre“. Hier fanden sich verschiedene hessische Einrichtungen zusammen, welche sich mit der Thematik von Ehrgewalt betroffenen Menschen beschäftigen. Die Einrichtungen leisten aktive Vernetzungsarbeit gegen ehrbezogene Gewalt, Zwangsheirat und Verheiratung.

Drei-Regionen-Modell

Aus dem Landesweiten Runden Tisch ging das Drei-Regionen-Modell „Hessen gegen Ehrgewalt“ hervor, in welchem ZORA in der Region „Rhein-Main/Mittelhessen“ Anfang 2019 die intensive praktische Arbeit zum Thema Gewalt und Ehre startete. Mithilfe einer intensivierten, regionalen Vernetzung sollen durch das Modell in Hessen zum Komplex Ehre und Gewalt abgestimmte Interventionen aufgebaut und Handlungsstrategien entwickelt als auch etabliert werden, um dadurch einen verlässlichen Schutz für betroffene Personen zu erreichen.

Hierzu wurden drei Schwerpunktzentren eingerichtet (Nordhessen, Süd-/Osthessen und Rhein-Main/Mittelhessen), welche die Regionen mit flexibler aufsuchender Hilfe versorgen und Präventionsinitiativen entwickeln. Darüber hinaus finden hessenweite Abstimmungen sowie eine Kooperation in den Grenzregionen statt, um effektive und bedarfsorientierte Zuständigkeiten in der operativen Arbeit zu gewährleisten.
Weitere Informationen: Hessen gegen Ehrgewalt

Durch das Netzwerk sichern wir nicht nur unsere inhaltliche Arbeit qualitativ, es besteht auch die Möglichkeit zur Vernetzung und schnelleren Unterbringung akut bedrohter Fälle in den hessenweiten Einrichtungen.

Weiterführende Links und Informationen

Netzwerk gegen Gewalt

Zwangsverheiratung bekämpfen – Betroffene wirksam schützen.
Eine Handreichung für die Kinder- und Jugendhilfe

Runder Tisch gegen Gewalt im Namen der Ehre
Hessen gegen Ehrgewalt

Öffnungszeiten

Ab dem 05.05.2020 können wir euch wieder mit vorheriger Terminvergabe, Mundschutz & Sicherheitsabstand persönlich beraten.

Bitte meldet euch vorher telefonisch oder per E-Mail an.

Wir beraten euch gerne weiterhin per Telefon und E-Mail während unserer Öffnungszeiten. Diese sind

Dienstag und Donnerstag 13 bis 17 Uhr
Mittwoch und Freitag 13 bis 16 Uhr

Telefon
0611 – 9 10 14 13

E-Mail
info@zoratreff.de

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